Anne Franks Geschichte: Der deutsche Überfall
Der deutsche Überfall auf die Niederlande am 10. Mai 1940 erfolgt im Rahmen der Eroberung Belgiens und Frankreichs. Durch eine Kombination von Taktik, Glück und brutaler Gewalt gelingt es Deutschland, Westeuropa in kurzer Zeit in die Knie zu zwingen.

Der deutsche Überfall

SS'ers van het Regiment "Der Führer" op het talud voor de Grebbesluis - 13 mei 1940
SS-Männer vom Regiment „Der Führer“ auf der Böschung vor der Grebbe-Schleuse – 13. Mai 1940 Collectie J.F.D. Bruinsma WOII Archief
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Im Mai 1940 überfällt Deutschland die Niederlande, Belgien und Frankreich. Die niederländische Armee verteidigt das Land gegen die deutsche Übermacht. Königin Wilhelmina flieht nach Großbritannien, um einer Gefangennahme durch die Deutschen zu entgehen. Nachdem die deutsche Luftwaffe Rotterdam bombardiert hat und droht, auch andere Städte aus der Luft anzugreifen, kapitulieren die Niederlande. Den Deutschen gelingt es, auch die Armeen Frankreichs und Belgiens zu besiegen. Sie besetzen Belgien und den Norden Frankreichs und setzen in Südfrankreich eine Marionettenregierung ein. Innerhalb von zwei Monaten hat Deutschland große Teile Westeuropas eingenommen.

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Überfall auf die Niederlande

Am 10. Mai 1940 sehen die Einwohner Amsterdams, dass Schiphol brennt. Deutsche Bomben verwüsten den Flughafen. Die Angst vor Krieg ist Wirklichkeit geworden. Die Niederlande haben im Jahr zuvor mobilgemacht. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 haben Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg erklärt. Obwohl in Westeuropa keine Schlachten stattfinden, liegt die Kriegsdrohung in der Luft. Im April 1940 überfällt Deutschland Norwegen und Dänemark. Die westeuropäischen Staaten rechnen deshalb bereits mit einem deutschen Angriff. Dennoch hofft die niederländische Bevölkerung, aufgrund der niederländischen Neutralitätspolitik vom Krieg verschont zu bleiben.

Diese Hoffnung erweist sich als vergeblich, denn am frühen Morgen des 10. Mai überfällt die deutsche Wehrmacht das Land. Deutsche Flugzeuge dringen in den niederländischen Luftraum ein. Sie bombardieren Flughäfen und militärische Ziele. In Den Haag wird die Alexander-Kaserne von Bomben getroffen. Gleichzeitig fliegen deutsche Flugzeuge Soldaten ein und setzen Fallschirmspringer ab. Die Deutschen wollen Königin Wilhelmina und das Kabinett als Geiseln nehmen, um so die Niederlande zur Kapitulation zu zwingen. Aufgrund heftiger Gegenwehr der Niederländer und strategischer Fehler auf deutscher Seite misslingt den Deutschen diese Operation.

Am selben Vormittag sind deutsche Truppen auf dem Landweg in die Niederlande eingedrungen. Um den deutschen Vormarsch zu stoppen, sprengen niederländische Soldaten mehrere Brücken. Das gelingt nicht überall. In Limburg sichern die Deutschen viele Brücken und erobern Territorium. Am Grebbeberg stoßen sie auf eine niederländische Verteidigungslinie. Drei Tage lang kämpfen die beiden Armeen. Die Bewohner der Gegend müssen ihre Häuser verlassen. Der Zoo „Ouwehands Dierenpark" wird teilweise zerstört, und damit die wilden Tiere nicht ausbrechen, werden sie getötet. Die niederländische Armee ist der deutschen Übermacht nicht gewachsen. Am 13. Mai fällt die Grebbe-Linie.

SS'ers bij de Grebbeberg, mei 1940.
Zwei Tage nach der Invasion der Niederlande erreichen deutsche SS-Soldaten den Grebbeberg. Stichting de Greb / Stichting Kennispunt mei 1940

Flucht der Königin

Der deutsche Vormarsch ist unaufhaltsam. Die Niederländer erzielen nur kleine Erfolge. Es ist unübersehbar, dass der Kampf bald zu Ende ist. Der Ministerrat kommt zu dem Entschluss, dass Königin Wilhelmina nach Großbritannien fliehen soll, da ihre Sicherheit auf dem Spiel steht. Die Königin weigert sich zunächst, ihr Land im Stich zu lassen, doch als ihr der Ernst der Lage bewusst wird, gibt sie nach. Am 13. Mai bringt ein britisches Kriegsschiff Königin Wilhelmina nach Großbritannien. Der englische König begrüßt sie noch am selben Abend.

Als die niederländische Bevölkerung die Nachricht von Wilhelminas Abreise erfährt, ist das ein Schlag für die Moral. Die Zeitungen haben bis zu diesem Zeitpunkt vor allem von den kleinen niederländischen Erfolgen berichtet. Nun stellt sich heraus, dass die Lage ernster als gedacht ist. Manche Niederländer kritisieren die Königin, weil sie ihr Volk seinem Schicksal überlässt. Die Königin ist jedoch nicht aus Feigheit geflohen. Vom Ausland aus wird sie den Kampf gegen Nazi-Deutschland unterstützen.

Bombardierung Rotterdams und Kapitulation

Bereits am 10. Mai sehen die Bewohner der zu Rotterdam gehörenden Insel Noordereiland deutsche Soldaten auf ihren Straßen. In Rotterdam stationierte niederländische Truppen können die Einnahme der Stadt verhindern, doch die Bemühungen, das verlorene Gebiet zurückzuerobern, scheitern. Die Deutschen wollen den niederländischen Widerstand schnell brechen. Deshalb stellt der deutsche General Schmidt am Morgen des 14. Mai dem niederländischen Stadtkommandanten ein Ultimatum: Falls Rotterdam nicht noch am Nachmittag kapituliert, wird ein von Bombern unterstützter Angriff stattfinden.

In Rotterdam wissen die Unterhändler nicht, dass die Wehrmachtsführung in Berlin andere Pläne hat. Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe, will die gesamten Niederlande durch Bombenterror in die Knie zwingen. Noch ehe General Schmidts Ultimatum verstreicht, erscheinen deutsche Bomber am Horizont. Gegen 13.30 Uhr werfen sie ihre Bomben auf die Rotterdamer Innenstadt ab. Als sich der Rauch verzogen hat, sind achtzigtausend Menschen obdachlos und sechs- bis neunhundert Menschen tot.

Das zerstörte Zentrum Rotterdams, 23. Mai 1940. © Dia Archief Mr. A. Hustinx

Die Deutschen drohen damit, auch Utrecht zu bombardieren. Da die Lage aussichtslos ist, kapitulieren die Niederlande. Die deutschen SS-Einheiten, die am Grebbeberg gekämpft haben, rücken schon am 15. Mai in Amsterdam ein. Zwei Wochen später installieren die Deutschen eine nationalsozialistische Zivilverwaltung unter Reichskommissar Arthur Seyß-Inquart.

Überfall auf Belgien, Luxemburg und Frankreich

Der Überfall auf die Niederlande ist Teil eines großen Angriffsplans zur Eroberung Frankreichs. Deutschland greift gleichzeitig auch Belgien, Luxemburg und Frankreich an. Luxemburg kapituliert noch am selben Tag. In Belgien führen die Deutschen eine Luftlandeoperation durch, um die Festung Fort Eben-Emael einzunehmen. Innerhalb kurzer Zeit erobern sie das Fort. Im Gebiet rund um Eben-Emael kämpfen deutsche Einheiten gegen belgische Truppen. Die Alliierten Frankreich und Großbritannien senden Truppen, um die Belgier zu unterstützen.

Genau das hatten die Deutschen beabsichtigt. Mit dieser groß angelegt wirkenden Attacke lenken sie die Alliierten von ihrem eigentlichen Angriff ab, der weiter südlich stattfindet. Die Franzosen rechnen nicht mit einer deutschen Invasion über die Ardennen. Bei dem französischen Ort Sedan durchstoßen die Deutschen nach einer zweitägigen Schlacht die Maginot-Linie. Auf diese Weise trennen sie die alliierten Streitkräfte in Belgien von den in Frankreich zurückgebliebenen Divisionen. Die zersplitterten Armeen können den deutschen Vormarsch nicht stoppen. Die Deutschen treiben ihre Gegner schonungslos in Richtung Nordsee. Am 24. Mai befiehlt Hitler unerwartet seiner Armee, eine Ruhepause einzulegen und sich neu zu gruppieren. Das ermöglicht es den Briten, ihre Soldaten bei Duinkerken zu evakuieren. Mehr als 300 000 Soldaten, darunter ein Drittel Franzosen, entgehen so der Kriegsgefangenschaft.

Without Allied help the Belgian army is no match for the Germans. The Belgian king Leopold III surrenders on 28 May. He refuses to flee and as commander-in-chief of the army becomes a prisoner of war. The Germans place him under house arrest in Laken. Some Belgians support the decision to capitulate, because it prevents further bloodshed. Others, including government ministers who do flee, criticise the king’s abrupt decision – which he took without consultation.

Schlacht um Frankreich, Kapitulation und Einsetzung der Vichy-Regierung

Am 5. Juni beginnt die deutsche Armee einen groß angelegten Angriff gegen Frankreich. In kurzer Zeit überrennt die Wehrmacht das Land. Italiens diktatorischer Ministerpräsident Mussolini mischt sich unterdessen auch in das Geschehen ein. Am 10. Juni erklärt er Frankreich den Krieg, weil er auf Territorialgewinn hofft. Dieser opportunistische Schachzug bringt dem Duce nach der Kapitulation Frankreichs weniger Grundgebiet ein als erhofft. Hitler gönnt ihm nur einen schmalen Streifen von Frankreich. Am 14. Juni besetzt die deutsche Wehrmacht Paris. Die Mitglieder der Regierung und viele Einwohner sind bereits aus der Stadt geflohen. Frankreichs Regierung ist nicht imstande, die Armee zu führen, und verspielt einen großen Teil ihrer Legitimität. Der französische Premierminister tritt zurück. Marschall Philippe Pétain wird sein Nachfolger.

Am 22. Juni unterzeichnet die französische Armeeführung die Kapitulation in einem Bahnwaggon bei Compiègne. Dieser Ort hat für die Deutschen eine besondere Bedeutung. 1918, am Ende des Ersten Weltkriegs, erfuhr die deutsche Armee hier die gleiche demütigende Behandlung. Deutschland besetzt Frankreich nicht vollständig. Im Süden Frankreichs ist eine neue französische Regierung unter Marschall Pétain an der Macht. Dieses „Vichy-Regime“, benannt nach dem Kurort, in dem sich der Sitz der Regierung befindet, arbeitet mit den Deutschen zusammen. Nicht alle Franzosen finden sich damit ab. Manche gehen in den Widerstand, andere flüchten nach London. Dort gründet General Charles de Gaulle das Freie Frankreich.

Adolf Hitler in Paris, June 23, 1940
Adolf Hitler in Paris, Juni 1940. © National Archives

Fast ganz Westeuropa steht nun unter deutscher Kontrolle. Die umliegenden Staaten verhalten sich neutral oder sind Bündnispartner Deutschlands. Im Juli 1940 beginnt Deutschland mit einem Angriff auf Großbritannien, und es ist undenkbar, dass Großbritannien in absehbarer Zeit Europa befreien kann.

Viele Bürger passen sich der neuen Situation an. Andere gehen in den Untergrund, um Widerstand zu leisten. Unter den Juden herrscht die größte Angst. Hunderte von ihnen, darunter auch Menschen, die in den dreißiger Jahren aus Deutschland geflohen sind, nehmen sich das Leben. Sie wollen sich nicht der Konfrontation mit den Nazis aussetzen.

Joodse vluchtelingen gearresteerd
Deutsche Juden, die aus Nazi-Deutschland geflohen sind, werden nach der Besetzung der Niederlande verhaftet. © NIOD

SS'ers van het Regiment "Der Führer" op het talud voor de Grebbesluis - 13 mei 1940

Der deutsche Überfall Die Eroberung Westeuropas

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