Anne Franks Leben: Annes Eltern
Otto Frank und Edith Holländer heiraten im Jahr 1925. Sie bekommen zwei Töchter: Margot und Anne. Das Familienleben ist glücklich, aber es gibt geschäftliche Rückschläge.

Annes Eltern

Edith, Otto und Margot Frank in Aachen, 26. Juni 1926. Fotocollectie Anne Frank Stichting
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Otto Frank dient im Ersten Weltkrieg in der Armee. Danach arbeitet er für eine Bank. Anfang der 1920er Jahre lernt er Edith Holländer kennen, Tochter eines wohlhabenden Unternehmers. 1925 heiraten sie. In den Jahren darauf bekommen sie zwei Töchter: Margot und Anne. Obwohl die Familie zum gehobenen Bürgertum gehört, geht es ihr in wirtschaftlicher Hinsicht nicht gut.

„Von Vaters Vergangenheit weiß ich einiges, und was ich nicht weiß, habe ich dazu fantasiert“, schreibt Anne am 8. Februar 1944 ins Tagebuch. „Ich meine zu wissen, dass Vater Mutter geheiratet hat, weil er Mutter für geeignet hielt, den Platz als seine Frau einzunehmen. Ich muss sagen, dass ich Mutter bewundere, wie sie diesen Platz eingenommen hat und dass sie, soweit ich weiß, nie gemurrt hat und auch nie eifersüchtig war.“ Anne und ihre Mutter geraten in der Zeit im Hinterhaus immer wieder aneinander. Dennoch würdigt sie die Ehe ihrer Eltern. „Vater nimmt Mutter so, wie sie ist. Er ärgert sich oft, aber sagt so wenig wie möglich, weil er weiß, welche Opfer Mutter bringen musste.“

Ottos Kindheit und Jugend

Otto Heinrich Frank wird am 12. Mai 1889 in Frankfurt am Main geboren. Er hat zwei Brüder, Robert und Herbert, und eine Schwester, Helene, die von allen Leni genannt wird. Otto wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Seit seinem zwölften Lebensjahr wohnen sie in einer stattlichen Villa am Beethovenplatz. Nach der Grundschule besucht er das Lessing-Gymnasium in Frankfurt und macht dort 1908 Abitur mit einem guten Notendurchschnitt. Im Sommersemester 1908 studiert er in Heidelberg Kunstgeschichte. Nach dem Sommer macht er ein Jahr lang ein Praktikum in einer Frankfurter Bank.

New York

Während des Studiums in Heidelberg hat sich Otto mit Nathan Strauss angefreundet, dem Sohn eines der Besitzer des bekannten New Yorker Kaufhauses Macy's. Im Herbst 1909 geht Otto nach New York, weil er eine Ausbildung bei Macy's machen will. Drei Tage nach seiner Ankunft am 14. September stirbt sein Vater, Michael Frank. Otto kehrt so schnell wie möglich nach Deutschland zurück, um bei seiner Familie zu sein. Zwei Monate später ist er wieder zurück in Amerika. Hier wird er, nur unterbrochen von ein paar kurzen Reisen nach Frankfurt, bis zum Juni 1911 bleiben. Zurück in seiner Geburtsstadt fängt Otto als kaufmännischer Angestellter in einer Firma an, die unterschiedliche Artikel wie Eisenwaren, Baumaterialien, Lampen und Glas herstellt.

Erster Weltkrieg

1914 bricht der Erste Weltkrieg aus. Ein Jahr später wird Otto zum Militär eingezogen und zum Kanonier ausgebildet. Ab Herbst 1915 ist er an der Westfront stationiert. Hier erlebt er als Beobachter und Telefonist 1916 die Schlacht an der Somme, bei der fast eine halbe Million deutsche Soldaten fallen. Ein Jahr später wird Otto zum Leutnant befördert, ein Offiziersdienstgrad. Als der Krieg 1918 vorbei ist, tritt Otto in den Dienst der Bank, die sein Vater gegründet hat. Zu den Geschäften der Bank gehört u.a. der Wertpapier- und Devisenhandel. Nach dem Tod von Michael Frank hat Ottos Mutter Alice die Bank fortgeführt, doch nun übernehmen Otto und sein Bruder Herbert die Leitung.

Otto Frank (Mitte) mit drei anderen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Auf der Rückseite steht: „Otto Juli 1917“. © Anne Frank Fonds, Basel / Anne Frank Stichting, Amsterdam

Ediths Kindheit und Jugend

Otto begegnet Edith Holländer 1921 oder 1922 zum ersten Mal auf der Verlobung seines Bruders mit einer guten Freundin von Edith. Edith wurde am 16. Januar 1900 in Aachen geboren. Sie ist das jüngste Kind von Abraham Holländer und Rosalie Holländer-Stern, einem Fabrikantenehepaar, das zur jüdischen Elite der Stadt gehört. Ediths Vater besitzt zwei Firmen, einen Metallverarbeitungsbetrieb und einen Betrieb für den Bau und die Reparatur von Transportfahrzeugen und Bahnwaggons. Die Geschäfte laufen gut, und die Familie lebt im Wohlstand. Edith hat drei Geschwister: Julius, Walter und Bettina. Sie verleben eine unbeschwerte Kindheit, doch dann erleidet die Familie einen Schicksalsschlag: 1914 stirbt Bettina.

Ediths Schulzeit

Über Ediths Schulzeit ist nur bekannt, dass sie zehn Jahre lang die evangelische „Victoria Schule zu Aachen" besucht, eine Mädchenschule mit Lyzeum. In dieser Schule gibt es neben den protestantischen viele jüdische Mädchen. Edith ist eine fleißige Schülerin. Außerdem treibt sie gern Sport, sie spielt Tennis und schwimmt. Nach der Schulzeit arbeitet sie in der elterlichen Firma. Religion spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Sie liest viel, geht gern auf Feste und liebt schöne Dinge und Kleider. „Wir hören mit offenem Mund die Geschichten von Verlobungen mit 250 Gästen, privaten Bällen und Diners", schreibt Anne am 8. Mai 1944 ins Tagebuch.

Ottos und Ediths Hochzeit

Am 5. April 1925 feiern Otto und Edith in Aachen Verlobung. Vier Wochen später, am 8. Mai, heiraten sie standesamtlich. Am 12. Mai, Ottos sechsunddreißigstem Geburtstag, findet die Hochzeitszeremonie in der Aachener Synagoge statt. Ein Foto von diesem Tag zeigt Otto und Edith strahlend im Kreis der großen Familie. Abends gibt es ein großes Bankett für alle Hochzeitsgäste. Auf der Menükarte ist zu sehen, was für ein großartiges, üppiges Hochzeitsmahl serviert wird. Anschließend unternehmen Otto und Edith ihre Hochzeitsreise nach San Remo in Italien. Auf dieser Reise wird ein Foto von ihnen geknipst. Glückstrahlend sitzen die frisch gebackenen Eheleute auf einem Felsen am Strand.

Otto und Edith Frank in San Remo (Italien) im Mai 1925 auf ihrer Hochzeitsreise. © Anne Frank Fonds, Bazel / Anne Frank Stichting, Amsterdam

Eheleben in Frankfurt

Otto und Edith wohnen zuerst eine Zeitlang bei Ottos Mutter in Frankfurt. Neun Monate nach der Hochzeit, im Februar 1926, bekommen sie ihre erste Tochter, Margot. Dreieinhalb Jahre später folgt Anne. Die Familie lebt zu diesem Zeitpunkt schon in einer gemieteten Doppelhaushälfte am Marbachweg. Otto ist ein umgänglicher Mann und ein fürsorglicher Vater, kann aber auch sehr streng sein. Er arbeitet viel für die Bank der Familie, während sich Edith um den Haushalt kümmert. In der wenigen Freizeit, die Otto hat, liest er gern. Für seine Töchter nimmt er sich gern Zeit, um mit ihnen zu spielen, sie zu fotografieren und mit ihnen zu reden. Otto und Edith kümmern sich beide sehr intensiv um die Erziehung ihrer Töchter.

Finanziell schlechte Zeiten

Nach dem Ersten Weltkrieg verschlechtert sich die Wirtschaftslage in Deutschland. Es herrscht eine haushohe Inflation, und für den Devisenhandel werden strenge Beschränkungen eingeführt. Deshalb gerät die Bank der Familie Frank zunehmend in Schwierigkeiten. Otto sucht nach neuen Geschäftsfeldern für die Familienbank, um wieder Geld zu verdienen. Zusammen mit seinem Bruder gründet er 1923 eine Filiale in Amsterdam. Dort lernt Otto Johannes Kleiman kennen und stellt ihn als Prokurist der Amsterdamer Bankfiliale ein. Das bedeutet, dass Johannes die Bank leitet, wenn Otto und Herbert nicht in Amsterdam sind.

Ab 1927 übernimmt Otto auch die Leitung der Firma Sodener Mineral Produkte G.m.b.H. Dieser Betrieb stellt Halspastillen her und befindet sich schon seit Jahren im Familienbesitz. Doch auch hier gehen die Einnahmen zurück. Die Bank der Familie Frank muss 1932 Konkurs anmelden. Die finanziellen Umstände der Familie Frank müssen für Edith vor allem in den ersten Jahren ihrer Ehe mit Otto sehr belastend gewesen sein. Sie war ja in einer Familie aufgewachsen, in der es ihr an nichts fehlte. Nun musste sie in einer kleineren Wohnung und mit weniger Luxus als gewohnt leben.

Eine gute Ehe

Zum vierzehnten Hochzeitstag im Jahr 1939, als die Familie schon seit gut fünf Jahren in Amsterdam lebt, schreibt Otto Edith einen Brief. Darin betont er die Harmonie, die trotz der schwierigen Zeiten zwischen ihnen herrscht, er dankt Edith für ihre Liebe und Sorge und schreibt, dass beide bestrebt sein sollen, auch den Kindern „dies Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Verträglichkeit, des Einstehens des einen für den anderen" zu vermitteln. Das ehemalige Frankfurter Nachbarsmädchen Gertrud Naumann erinnert sich Jahre später daran, wie gern sie zu Otto und Edith gegangen ist. Fast täglich schaute sie bei den Franks vorbei. Gertrud beschreibt, wie liebenswürdig beide im Umgang miteinander und gegenüber anderen Menschen waren.

Annes Eltern Das Leben von Otto und Edith Frank

Otto Frank und Edith Holländer heiraten im Jahr 1925. Sie bekommen zwei Töchter: Margot und Anne. Das Familienleben ist glücklich, aber es gibt geschäftliche Rückschläge.

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