Anne Franks Leben: Anne und Margot in Frankfurt
Anne Frank und ihre Familie haben eine glückliche Zeit in Frankfurt am Main. Doch ab Anfang der dreißiger Jahre bekommt die Familie die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu spüren. Auch das Erstarken der Nazis macht der Familie Frank Sorgen.

Anne und Margot in Frankfurt

Otto Frank mit seinen Töchtern Anne und Margot auf dem Schoß. Frankfurt am Main, 1931. Fotocollectie Anne Frank Stichting
  • Drucken

Anne Frank und ihre ältere Schwester kommen beide in Frankfurt am Main zur Welt. Sie haben eine glückliche Kindheit. Sie verstehen sich gut mit ihren Eltern, und in der Nachbarschaft haben sie viele Spielkameraden. Anfang der dreißiger Jahre zieht die Familie um. Die Folgen der Wirtschaftskrise sind spürbar. Auch die politische Lage verschlechtert sich, als die antijüdischen Nazis an Einfluss gewinnen.

Margot

Am 16. Februar 1926 wird Margot Betti in Frankfurt am Main geboren. Den Namen Betti bekommt sie nach Ediths verstorbener Schwester Bettina. Margots Eltern nennen sie liebevoll „Mutz". Nach Margots Geburt führt Edith ein Merkbuch für das Leben unseres Kindes. In diesem Babyalbum notiert sie die Einzelheiten rund um die Geburt ihrer Tochter, den Namen der Hebamme sowie Angaben über die Familie, Impfungen und andere Ereignisse wie zum Beispiel den Durchbruch des ersten Zähnchens. Sie klebt auch viele Fotos ein. Drei Jahre nach ihrer Geburt, am 12. Juni 1929, bekommt Margot ein Schwesterchen, Annelies Marie, mit dem Rufnamen Anne. Edith schreibt in Annes Babybuch, dass Margot ihre kleine Schwester am 14. Juni zum ersten Mal sieht und ganz begeistert ist.

Margot Frank. Ihr zweiter Name ist Betti, nach Ediths früh verstorbener Schwester. © Anne Frank Fonds, Basel / Anne Frank Stichting, Amsterdam

Spielen mit den Nachbarskindern

Die Familie wohnt am Marbachweg in Frankfurt. Hier verleben Anne und Margot eine schöne Zeit. In der Nachbarschaft wohnen viele Kinder. Fast jeden Tag kommen einige von ihnen vorbei, um mit Margot zu spielen. Im Garten ihres Hauses steht ein Sandkasten, in dem Anne oft zu finden ist. Sie ist noch zu klein, um den Garten zu verlassen. Margot darf schon auf die Straße, um auch dort mit ihren Freunden und Freundinnen zu spielen. Sobald Anne laufen kann, spielt sie oft mit den anderen mit. Die Nachbarstochter Hilde Staab erinnert sich noch viele Jahre später daran, wie ihre Mutter und Edith zusammen oft vom Fenster oder Balkon aus den spielenden Kindern im Garten zusahen und sich darüber freuten, dass ihre Kinder so viel Spaß hatten.

Auch für uns waren die Jahre im Marbachweg mit die schönsten.

Edith Frank-Holländer, 1937

Bücher und Bilder

Die Kinder in der Nachbarschaft kommen aus unterschiedlichen Familien. Manche Kinder sind katholisch, andere evangelisch oder jüdisch. Margot und ihre Freundinnen sind sehr neugierig auf die Feste und Traditionen der anderen. Margot wird deshalb zum Beispiel zur Kommunion von Hilde eingeladen, und wenn die Familie Frank Chanukka feiert, dürfen die Kinder aus der Nachbarschaft manchmal mitmachen. Die Familie Frank gehört dem liberalen Judentum an. Das bedeutet, dass sie nicht streng gläubig sind, aber die Traditionen des Judentums einhalten. Otto und seine Familie fühlen sich in erster Linie als Deutsche. Für Otto ist Lesen und Lernen sehr wichtig. Nicht nur für sich, sondern auch für seine beiden Töchter. Otto ist ein begeisterter Hobbyfotograf. Er knipst viele Bilder von Anne und Margot beim Spiel mit den Nachbarskindern, bei Ausflügen oder beim Besuch der Großeltern Holländer in Aachen.

Pim

Anne und Margot hängen sehr an ihrem Vater. Sie und ihre Mutter Edith nennen ihn meist liebevoll Pim. Wenn Otto seine Töchter abends zu Bett bringt, erzählt er ihnen vor dem Einschlafen meist noch eine selbst ausgedachte Geschichte. Oft handeln diese Geschichten von den „zwei Paulas". Das sind zwei Mädchen, die ständig neue Abenteuer erleben. Die brave Paula ist die gehorsame der beiden, die freche Paula ist ein Mädchen, das viele Streiche ausheckt. Anne und Margot freuen sich immer schon auf die Geschichten.

Marbachweg 307, Frankfurt am Main. Fotocollectie Anne Frank Stichting

Eine neue Straße

1931 ziehen Otto, Edith, Margot und Anne vom Marbachweg in die Ganghoferstraße um. Der Umzug findet vor allem deshalb statt, weil die Miete in der neuen Wohnung niedriger ist. Die Bank der Familie Frank erleidet schwere Verluste, und Ottos Einkünfte sinken rasch. Hinzu kommt, dass der Vermieter der Wohnung am Marbachweg Mitglied der antisemitischen NSDAP ist. Hilde vermutet, dass die Familie Frank aus dem Haus im Marbachweg auszog, weil sich das Verhältnis zum Hausbesitzer verschlechtert hatte. Der Sohn des Hausbesitzers erklärte jedoch später, sein Vater habe in die NSDAP eintreten müssen, da er sonst seine Arbeitsstelle verloren hätte. Er sei nicht in der Partei gewesen, weil er etwas gegen Juden gehabt hätte.

Anne Frank, Ganghoferstrasse, Frankfurt am Main, 1931. Fotocollectie Anne Frank Stichting

Auch nachdem die Familie 1931 vom Marbachweg in die Ganghoferstraße umgezogen ist, bleiben Anne und Margot mit den Kindern aus der alten Nachbarschaft befreundet. Das ehemalige Nachbarsmädchen Gertrud Naumann erzählt später, dass sie die Familie Frank sehr vermisst habe. Sie kommt deshalb noch fast jede Woche vorbei, um mit Margot im Sandkasten zu spielen. Die neue Wohnung ist nicht so sehr weit von der alten Wohnung entfernt, und es gibt schöne Spazierwege und Hügel, auf denen die Kinder im Winter Schlitten fahren können. Anne und Margot gewinnen bald Freunde in ihrem neuen Viertel.

Margot geht zur Schule

In der Nähe der neuen Wohnung ist die Ludwig-Richter-Schule, und am 6. April 1932 erlebt Margot hier ihren ersten Schultag. Die Schule hat einen modernen Leiter, und manchmal findet der Unterricht sogar im Freien statt. Die Schüler werden dazu ermutigt, selbstständig zu lernen und freundschaftliche Beziehungen zu den Lehrern und Lehrerinnen aufzubauen. Otto Frank schreibt im Juni 1932 an seine Mutter: „Margot ist ein Engel, sie hatte heute einen Schulausflug. Sie war überglücklich ..."

Erneut umgezogen

Sie wohnen zwei Jahre in der Ganghoferstraße, bis die Familie aus finanziellen Gründen in das Haus von Großmutter Frank, Ottos Mutter, einziehen muss. Da Margots Schulweg nun zu lang wäre, wechselt sie in die näher gelegene Varrentrapp-Schule. Otto und Edith hoffen, dass Margot dort keine Probleme wegen ihrer jüdischen Herkunft haben wird, aber das ist leider doch der Fall.

Annes Eltern Das Leben von Otto und Edith Frank

Otto Frank und Edith Holländer heiraten im Jahr 1925. Sie bekommen zwei Töchter: Margot und Anne. Das Familienleben ist glücklich, aber es gibt geschäftliche Rückschläge.

Mehr

Anne und Margot in Frankfurt Kindheit und Schulzeit

Anne Frank und ihre Familie haben eine glückliche Zeit in Frankfurt am Main. Doch ab Anfang der dreißiger Jahre bekommt die Familie die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu spüren. Auch das Erstarken der Nazis macht der Familie Frank Sorgen.

Mehr

Schwierige Zeiten in Deutschland Finanzielle Rückschläge und Antisemitismus

Wegen der Wirtschaftskrise laufen Otto Franks Geschäfte nicht gut. Deshalb und auch aufgrund der Machtergreifung der Nazis 1933 entschließt sich die Familie Frank zur Emigration. Ende des Jahres gehen sie in die Niederlande.

Mehr
Weimar, Aufmarsch der Nationalsozialisten

Adolf Hitlers Hass auf Juden Seine drei Hauptgründe

Warum Adolf Hitler (1889-1945) die Juden so hasste, lässt sich schwer auf einen einzigen Beweggrund zurückführen, doch es…

Mehr
Aufmarsch am Abend der Machtergreifung Hitlers

Errichtung der Nazi-Diktatur Abrechnung mit Gegnern

Hitler verwandelt Deutschland in wenigen Monaten in eine Diktatur. Das Naziregime verfolgt politische Gegner. Juden werden Opfer von diskriminierenden Gesetzen und Gewalt.

Mehr