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1941 Juden haben immer weniger Rechte
© Privécollectie Paula Bakker

Paula Bakker - Auf der richtigen oder der falschen Seite und dazwischen

Man ging nicht mit NSB-Mitgliedern und solchen Leuten um.  Das tat man einfach nicht, und man sprach auch nicht darüber, eigentlich. 

Die Familie mit dem Spielwarenladen in der P.C. Hooftstraat, Stas, wo ich in den ersten Kriegstagen Unterschlupf fand, war auf der falschen Seite, wie sich herausstellte. Stas war bei der Feuerwehr oder beim Luftschutz. Er bekam allerlei Mitteilungen von Leuten, die ihm schrieben: ,Da wohnt ein Faschist, und er zerriss sie. Das habe ich erst hinterher begriffen. Er war selber ein Faschist. Vor dem Krieg kauften sie alles in Nürnberg, und da haben sie sich gewaltig infiziert. Später lief Stas auch in einer Uniform rum. Meine Eltern haben den Kontakt abgebrochen. 

Einmal sahen wir einen Mann an einem Fallschirm herabschweben. Die Deutschen schossen auf ihn.  Neben uns stand ein Nachbar und schaute zu, der rief: ,Richtig so! Der war also auch auf der falschen Seite. Mit dem haben wir dann nie mehr gesprochen. 

L. war meine Freundin in der Schule in der Rombout Hogerbeetstraat. Sie sagte, ihr Vater sei Pole, aber er war Deutscher. Irgendwann habe ich rausgefunden, dass sie in der Hitlerjugend war. Ein anderes Mädchen sagte: ,Da vorn läuft L., die ist bei uns in der Hitlerjugend. Ich habe L. danach gefragt. ,Ja, das stimmt, hat sie gesagt, ,bitte erzähl das nicht in der Schule, ja? Wir sind überhaupt nicht dafür, aber es ging nicht anders, weil Vater Deutscher ist. Und mein Bruder braucht dann nicht hin, wenn ich dabei bin. 

Wim Haagsma war ein Freund, der in eine andere Schule ging, die Burghtschool. Die Jungs aus der Klasse machten sich über ihn lustig, weil er mit einem Mädchen befreundet war und nicht mit ihnen Fullball spielte, aber das machte ihm überhaupt nichts aus. Er war ganz allein. Ein Junge von 13, 14. Er wohnte in der Herenstraat. Eine Nachbarin kümmerte sich ein bisschen um ihn. Seine Eltern habe ich nicht gekannt. Sie waren damals schon in einem Lager. Er hatte eine deutsche Mutter und einen holländischen Vater, der war Maler. Sie waren Kommunisten. Irgendwann ist Wim Hals über Kopf nach Deutschland gezogen, zu einer Tante. Ohne sich zu verabschieden. Nach dem Krieg habe ich ihn wiedergesehen. 

Onkel Frans hatte ein Hausboot auf der anderen Seite des IJ. Dort war ich manchmal als Kind, ich habe da auch übernachtet. Das war ganz toll. Im Krieg waren wir wieder dort. Irgendwann gab es eine Zwischentür, die war neu. Und einen Bereich auf dem Boot, den man nicht betreten konnte. An der Tür war keine Klinke. Also es war nicht zu übersehen, dass er da Juden versteckte. Aber darüber verlor man kein Wort. Man sagte nicht ,Nanu oder ,Was ist denn das. Nein, man tat so, als ob nichts wäre. So lief das im Krieg.

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Paula Bakker

Paula Bakker ist 10, als auch in den Niederlanden der Krieg ausbricht. Ihre unverheiratete Mutter betreibt mit Paulas Stiefvater eine Pension am Singel. Deshalb wohnen noch etwa zehn Fremde im Haus, Untermieter und Pensionsgäste. Die meisten sind ledig oder geschieden, mit manchen gibt es viel, mit manchen kaum Kontakt. Paula erlebt die Besatzungszeit in vielen Facetten.

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1933 Auf der Suche nach einem sicheren Leben

Die Franks möchten sich, wie viele andere Juden im nationalsozialistischen Deutschland, in Sicherheit bringen. Otto Frank reist schon vor und gründet in Amsterdam seine Handelsniederlassung für Opekta.

1938 Viele jüdische Flüchtlinge nach den Novemberpogromen

Nach den Novemberpogromen fliehen mehr Juden in die Niederlande. Auch Prinzessin Juliana fühlt sich mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden. Während der Aufnahme von Juden mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, treten NSB-Leute zunehmend militanter in Erscheinung.

1940 Amsterdam besetzt

Für die Familie Frank ändert sich nach dem Einmarsch der Deutschen zunächst noch nicht so viel. Opekta zieht in die Prinsengracht um. Bombenangriffe fordern Tote und Verletzte in Amsterdam.

1940  Amsterdam besetzt

1941 Juden haben immer weniger Rechte

Es beginnt mit einem Kinoverbot, aber schon bald werden Juden praktisch überall aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Jüdische Kinder müssen gesonderte Schulen besuchen, also auch Anne und Margot Frank.

1941  Juden haben immer weniger Rechte

1942 Es wird immer gefährlicher für Juden

Zum dreizehnten Geburtstag bekommt Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Ein paar Tage später schreibt sie etwas über die Lage in Amsterdam. Der gelbe Stern wird eingeführt, und die ersten Razzien finden statt. Im Juli taucht die Familie Frank unter.

1942  Es wird immer gefährlicher für Juden

1943 Deportationen und Anschläge

Während die Familie Frank im Versteck lebt, werden mehrere tausend Juden aus Amsterdam deportiert. Der Widerstand versucht, die Deportationen durch Anschläge auf u.a. das Bevölkerungsregister zu vereiteln. Aber es nützt nicht viel.

1943  Deportationen und Anschläge

1944 Entdeckt und verhaftet

Am 4. August werden Anne und die anderen im Hinterhaus entdeckt und verhaftet. Über Westerbork werden sie nach Auschwitz deportiert. Als die Alliierten im Süden der Niederlande die Grenze passieren, entsteht kurzzeitig die Hoffnung auf eine rasche Befreiung. Deutsche Soldaten und NSB-Leute ergreifen nach dem „Dolle Dinsdag“ (Verrückten Dienstag) die Flucht.

1944  Entdeckt und verhaftet

1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut

Amsterdam leidet unter dem Hungerwinter. Viele Menschen verhungern oder erfrieren. Edith, Margot und Anne Frank sterben im Konzentrationslager. Otto Frank überlebt als einziger. Die Kanadier erreichen Amsterdam.

1945 Freude und Kummer

Bei einem Fest auf dem Dam am 7. Mai schießen deutsche Soldaten in die Menge. Es gibt mehrere Todesopfer. Am 8. Mai wird Amsterdam endgültig befreit. Otto Frank kehrt zurück. Er weiß bereits, dass Edith tot ist. Dass seine beiden Töchter nicht überlebt haben, erfährt er erst später.

1945  Freude und Kummer

1946 Langsam nimmt das Leben wieder seinen Lauf

Am 3. Mai 1946 findet der erste offizielle Totengedenktag statt. Anne Franks Tagebuch wird am 25. Juni 1947 veröffentlicht. In Amsterdam nimmt das normale Leben langsam wieder seinen Lauf. Nur 10.000 der 70.000 Juden, die 1940 in der Stadt wohnten, haben den Krieg überlebt.

1950 Bleibende Erinnerung

Auch wenn seit der Befreiung schon fünf Jahre vergangen sind, hat der Krieg noch einen deutlichen Nachhall. Die jüdische Gemeinschaft dankt der Stadt Amsterdam mit einem Denkmal für die Hilfe, die sie den Juden geleistet hat.

1950  Bleibende Erinnerung
  • 1950
  • Den Beschützern der niederländischen Juden in den Besatzungsjahren. Beschützt durch Ihre Liebe. Gestärkt durch Ihren Widerstand. Trauernd mit Ihnen.

    Teil der Inschrift des Denkmals „Jüdische Dankbarkeit“
  • picture:Einmal im Jahr zwei Schweigeminuten

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Wie die deutsche Besatzung und die Judenverfolgung Amsterdam gezeichnet haben

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Anne Franks Amsterdam aus der Vogelperspektive

Die wichtigsten Orte und Geschichten aus Anne Franks Amsterdam. Klicke die Zeitleiste an und erfahre, wie sich Amsterdam ab 1933 von einem Zufluchtsort in eine besetzte Stadt verwandelt. Klicke zum Vergrößern auf das kleine Pluszeichen links. Die Orte auf der Karte lassen sich dann besser anklicken.