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1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut
Noorder Amstellaan
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Noorder Amstellaan
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© Beeldbank WO2 / Verzetsmuseum Amsterdam / Sem Presser/J. de Jong

Nol Escher – „Schlange stehen, immerzu Schlange stehen … vor allem vor der Garküche“

„Schlange stehen, immerzu Schlange stehen. Überall sieht man die Leute anstehen. Für Brot (nur dienstags, donnerstags und samstags), für ein Büschel Radieschen bei van Zanten in der Maasstraat, für Magermilch, und vor allem vor der Garküche. Unsere Garküche steht auf der Wiese in der Grünanlage. Vom Fenster aus kann ich alles sehen. Erst sehe ich drei oder vier Leute. Eine halbe Stunde später sind es zwanzig, und das bedeutet, dass ich in ungefähr zwanzig Minuten das Haus verlasse, denn dann kommt bestimmt der Handkarren. Oder auch nicht. Geht man zu früh los, steht man zu lange an, aber geht man zu spät los, steht man auch zu lange an. Ich stehe mit den Töpfen in der Hand in der Schlange. Ab und zu schieben wir uns jetzt ein Stück voran.

Die Frau, die vor mir steht, stand gerade noch hinter mir. Und der alte Mann mit der komischen Mütze auch. Verdammt, ich passe nicht gut genug auf. Immer gleich aufrücken. Aber es ist so unangenehm, fast am Rücken der Person vor einem zu kleben. Die Suppenverteiler kommen in Sicht. Ich greife in meine Hosentasche, halte die acht Knipskarten fest in der Hand. Da kommt ein Mann mit einem vollen Topf vorbei. ‚Was gibt’s heute?’, fragt ihn jemand.

Wasser mit ´n bisschen Farbe’, antwortet er grinsend. Noch vier Leute vor mir. Ich bin gleich an der Reihe. Jetzt kann sich keiner mehr vordrängen. Ich höre, wie die große eiserne Suppenkelle über den Boden kratzt. Als ich meinen Topf hinhalte, sagt der Suppenverteiler: ,Es ist alle.’ Ich gehe nach Hause. Die Schraube in meinem Magen wird wieder angezogen.“

 

Quelle: Fragment aus Nol Escher: Trompetten in de verte: een novelle, herausgegeben von Emilie Escher, Tochter des Autors Nol Escher

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Nol Escher

Nol Escher ist acht, als die Niederlande besetzt werden. Die Menschen, die an der Küste leben, müssen ihre Wohnorte verlassen. Die Familie Escher zieht von Bentveld, einem Dorf in den Dünen bei Zandvoort, nach Amsterdam. Weihnachten 1942 beziehen sie eine Wohnung an der Noorder Amstellaan 190, in der zuvor Juden gewohnt haben. Im Juni 1945 kehrt die Familie Escher nach Bentveld zurück.

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1933 Auf der Suche nach einem sicheren Leben

Die Franks möchten sich, wie viele andere Juden im nationalsozialistischen Deutschland, in Sicherheit bringen. Otto Frank reist schon vor und gründet in Amsterdam seine Handelsniederlassung für Opekta.

1938 Viele jüdische Flüchtlinge nach den Novemberpogromen

Nach den Novemberpogromen fliehen mehr Juden in die Niederlande. Auch Prinzessin Juliana fühlt sich mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden. Während der Aufnahme von Juden mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, treten NSB-Leute zunehmend militanter in Erscheinung.

1940 Amsterdam besetzt

Für die Familie Frank ändert sich nach dem Einmarsch der Deutschen zunächst noch nicht so viel. Opekta zieht in die Prinsengracht um. Bombenangriffe fordern Tote und Verletzte in Amsterdam.

1940  Amsterdam besetzt

1941 Juden haben immer weniger Rechte

Es beginnt mit einem Kinoverbot, aber schon bald werden Juden praktisch überall aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Jüdische Kinder müssen gesonderte Schulen besuchen, also auch Anne und Margot Frank.

1941  Juden haben immer weniger Rechte

1942 Es wird immer gefährlicher für Juden

Zum dreizehnten Geburtstag bekommt Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Ein paar Tage später schreibt sie etwas über die Lage in Amsterdam. Der gelbe Stern wird eingeführt, und die ersten Razzien finden statt. Im Juli taucht die Familie Frank unter.

1942  Es wird immer gefährlicher für Juden

1943 Deportationen und Anschläge

Während die Familie Frank im Versteck lebt, werden mehrere tausend Juden aus Amsterdam deportiert. Der Widerstand versucht, die Deportationen durch Anschläge auf u.a. das Bevölkerungsregister zu vereiteln. Aber es nützt nicht viel.

1943  Deportationen und Anschläge

1944 Entdeckt und verhaftet

Am 4. August werden Anne und die anderen im Hinterhaus entdeckt und verhaftet. Über Westerbork werden sie nach Auschwitz deportiert. Als die Alliierten im Süden der Niederlande die Grenze passieren, entsteht kurzzeitig die Hoffnung auf eine rasche Befreiung. Deutsche Soldaten und NSB-Leute ergreifen nach dem „Dolle Dinsdag“ (Verrückten Dienstag) die Flucht.

1944  Entdeckt und verhaftet

1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut

Amsterdam leidet unter dem Hungerwinter. Viele Menschen verhungern oder erfrieren. Edith, Margot und Anne Frank sterben im Konzentrationslager. Otto Frank überlebt als einziger. Die Kanadier erreichen Amsterdam.

1945 Freude und Kummer

Bei einem Fest auf dem Dam am 7. Mai schießen deutsche Soldaten in die Menge. Es gibt mehrere Todesopfer. Am 8. Mai wird Amsterdam endgültig befreit. Otto Frank kehrt zurück. Er weiß bereits, dass Edith tot ist. Dass seine beiden Töchter nicht überlebt haben, erfährt er erst später.

1945  Freude und Kummer

1946 Langsam nimmt das Leben wieder seinen Lauf

Am 3. Mai 1946 findet der erste offizielle Totengedenktag statt. Anne Franks Tagebuch wird am 25. Juni 1947 veröffentlicht. In Amsterdam nimmt das normale Leben langsam wieder seinen Lauf. Nur 10.000 der 70.000 Juden, die 1940 in der Stadt wohnten, haben den Krieg überlebt.

1950 Bleibende Erinnerung

Auch wenn seit der Befreiung schon fünf Jahre vergangen sind, hat der Krieg noch einen deutlichen Nachhall. Die jüdische Gemeinschaft dankt der Stadt Amsterdam mit einem Denkmal für die Hilfe, die sie den Juden geleistet hat.

1950  Bleibende Erinnerung
  • 1950
  • Den Beschützern der niederländischen Juden in den Besatzungsjahren. Beschützt durch Ihre Liebe. Gestärkt durch Ihren Widerstand. Trauernd mit Ihnen.

    Teil der Inschrift des Denkmals „Jüdische Dankbarkeit“
  • picture:Einmal im Jahr zwei Schweigeminuten

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Anne Franks Amsterdam aus der Vogelperspektive

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